Für den 16. Oktober 2026 ist in Kerpen-Horrem eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Braucht Deutschland Zuwanderung und ist Integration gelungen?” geplant. Das Podium ist zur Hälfte mit AfD-Funktionären besetzt.
Wir als Bündnis wurden gefragt, ob wir diese Veranstaltung unterstützen möchten. Dies haben wir abgelehnt. Wir distanzieren uns ausdrücklich von der Aktion und werden sie weder inhaltlich noch organisatorisch begleiten. Dies möchten wir hier unmissverständlich klarstellen.
Wir vom „Kerpener Bündnis für Demokratie und Vielfalt“ setzen uns für die gemeinsamen Werte einer offenen und demokratischen Gesellschaft ein. Mit unserer Arbeit wollen wir die Zivilgesellschaft stärken und Vielfalt fördern. Zudem beziehen wir Haltung gegen jede Form von Rechtspopulismus.
Warum wir uns distanzieren:
Eine vermeintlich neutrale Bühne schafft Normalität. Die geplante Veranstaltung ist als offene Diskussionsrunde angelegt. Tatsächlich bietet sie den Funktionsträgern der AfD eine Plattform, auf der sie ihre politische Zielsetzung als sachlichen, legitimen Standpunkt darstellen können. Eine derartige Einstufung verkennt die tatsächliche Beschaffenheit dieser Partei – wie die folgenden Einschätzungen des Verfassungsschutzes belegen (Quelle 1-4).
Die AfD ist keine harmlose Partei. Gerichte haben mehrfach bestätigt, dass die AfD als rechtsextremistischer Verdachtsfall zu beobachten ist; diese Einstufung ist rechtskräftig. Fünf Landesverbände sind gesichert rechtsextrem (Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen). In NRW gelten Teilstrukturen als gesichert rechtsextrem. (Quelle 1-4)
Ein Teilnehmer der geplanten Podiumsdiskussion hat im Juni 2026 an einer AfD-Aktion in Gelsenkirchen teilgenommen, bei der Anwohner mit Migrationsgeschichte dazu aufgefordert wurden, die Straße zu kehren. Die Aktion wurde von der AfD gefilmt und auf Instagram veröffentlicht. Wer dieser Partei eine seriöse Bühne bietet, verharmlost damit ihre Zielsetzung. (Quelle 5)
Ein sachlicher und ergebnisoffener Austausch ist nicht zu erwarten. Für einen ehrlichen Diskurs braucht es Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, die anerkannte Fakten nicht grundsätzlich infrage stellen. Die teilweise Besetzung des Podiums mit AfD-Funktionären erfüllt diese Voraussetzung nicht. Aussagen müssten fortwährend überprüft werden; ein zeitgleicher Faktencheck wäre erforderlich, damit eine sachliche Information überhaupt möglich bleibt.
Der Titel der Veranstaltung verletzt Menschen. Für viele Menschen mit Migrationserfahrung stellt dieser Titel eine weitere Verletzung dar – in einem Alltag, der häufig von Ausgrenzung sowie von offenem und strukturellem Rassismus geprägt ist. Zudem eröffnet die einleitende Fragestellung erneut weitere verallgemeinernde Fragen über die Zugehörigkeit von Personen mit Migrationsgeschichte in unserer Gesellschaft, die aus unserer Sicht nicht länger in Frage gestellt werden dürfen.
Was wir stattdessen wollen:
Offene Diskussionen mit Bürgerinnen und Bürgern sind ein Zeichen lebendiger Demokratie. Es gibt zahlreiche Themen, die ALLE Menschen in Kerpen betreffen und sich für einen ehrlichen Austausch eignen:
- Steuer- und Wirtschaftspolitik
- Bildungspolitik
- Wohnen und Mieten
- Gesundheit und Pflege
- Klimaschutz und Umwelt
- Verkehr und Infrastruktur
Über diese Themen können wir offen und ergebnisorientiert diskutieren – ohne
Rechtspopulisten eine Plattform zu bieten.
Fazit
Unsere Haltung ist klar: Keine Bühne für Rechtspopulisten. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie ist ein Versprechen, das wir gemeinsam verteidigen müssen.
Kerpener Bündnis für Demokratie und Vielfalt
Kerpen, im Oktober 2026
- Bundesamt für Verfassungsschutz: OVG NRW bestätigt AfD-Einstufung als rechtsextremistischen Verdachtsfall (Mai 2024)
- Bundesamt für Verfassungsschutz: VG Köln bestätigt Beobachtung der AfD als Verdachtsfall (März 2022)
- Oberverwaltungsgericht NRW: AfD darf als Verdachtsfall beobachtet werden (Mai 2024)
- Verfassungsschutz NRW: „Generation Deutschland NRW“ und ehemaliger „Flügel“ als rechtsextremistische Verdachtsfälle beobachtet
- https://www1.wdr.de/nrw/ruhrgebiet/gelsenkirchen/gelsenkirchen-entsetzen-afd- video-putzen-100.html